Donnerstag, 16. Juni 2011
Ich
Was technische Innovationen angeht lebe ich etwas hinterm Mond. Das ist bei meinem Job zwar nicht so ideal, aber bisher ist es noch keinem negativ aufgefallen. Nicht, dass es mich nicht interessieren würde, aber oft erkenne ich den Sinn der Neuerungen nicht: Warum die Accounts aller Netzwerkseiten checken, wenn ich derweil doch auch eine Runde laufen kann? Warum über Skype telefonieren, wenn ich das mit meinem Festnetztelefon gemütlich vom Hinterhof aus kann, während ich meine Rosen bewundere? Warum Daten in einer Cloud speichern, wenn ich sie doch ganz bequem auf einer externen Festplatte sichern und mit durch die Gegend tragen kann?

Ich gehöre eindeutig zu den „old fashioned“. Ich hatte als eine der Letzten in meinem Freundeskreis ein Handy, davor habe ich mich jahrelang geweigert einen Computer überhaupt anzusehen und bis vor kurzem war ich in keinem Internet-Netzwerk aktiv.

Jetzt bin ich ein neuer Mensch: ich habe ein Smartphone, mit dem ich immer und überall ins Internet kann, einen Account bei Xing und Facebook, habe meine ersten Chats hinter mir und telefoniere über Skype. Und ich blogge. Und warum das alles? Ich bin neuerdings Freiberufler und will gefunden werden; da macht man das halt. Aber muss man?

Ich beneide ältere Kollegen, deren Netzwerk ohne diesen ganzen Krimskrams funktioniert und die mit stolz behaupten, sowas nicht nötig zu haben. Aber gleichzeitig nutze ich all das, um mich von Ihnen abzusetzen.

Dieses herumkommuniziere hat sich mir allerdings noch nicht erschlossen: ehrlich gesagt interessiert es mich nicht die Bohne, was C. D. über Gurken denkt, oder ob M.K. Poker spielt. Ich kann nichts anfangen mit dem kryptischen Foto, das E.B. mit allen teilt und will nicht wissen, wer die neue Freundin von D. ist. Bin ich ignorant?

Ich will interessante Leute kennen lernen, Informationen bekommen, die mir neue Ideen oder Sichtweisen bringen. Bin ich da eine Ausnahme? Oder einfach nur egoistisch?

Trotzdem sehe ich jetzt alle paar Stunden nach, ob mich denn schon jemand gefunden hat und gehe nicht mehr joggen.

Doch nur ein Kind unserer Zeit...

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 15. Juni 2011
Warum im Rucksackreisen kein Stück Verweigerungs steckt
Bist Du frei, wenn alles was Du brauchst in einem Rucksack steckt, alles was Du wirklich brauchst in einem Beutel um Deinen Bauch? Freedom is just another word for nothing left to lose – ich weiß – aber um wirklich frei zu sein musst Du Dich auch frei machen, frei machen von Dir selbst. Wirst Du wirklich ein anderer sein, wenn Du wieder kommst, nach Monaten unterwegs auf dem Banana-Pancake-Pfad? Und wirst Du dort wirklich allein sein?

Nein.



Du wirst ganz schnell Kontakt zu Deinesgleichen finden. Du wirst Dich darüber unterhalten wo Du schon warst, wo Du hingehst und wo heute Abend die Party steigt; international versteht sich, denn es werden Leute aus aller Welt dabei sein, alles Traveller, Rastlose, auf der Suche nach dem Abenteuer - wie Du. Vorwiegend wird Dein Abenteuer aber der Absturz in der kommenden Nacht sein, zwar unter Palmen aber ansonsten austauschbar mit dem zu Hause. Du wirst nicht viel Neues finden. Wie auch, die Pfade sind ausgetreten, gesichert. Lange schon war hier kein Pionier mehr unterwegs. Du wirst auch nur da sein, wo alles auf Deinesgleichen ausgelegt ist, in Vietnam, Australien, Chile. Nicht in Grönland, Honduras oder Papua-Neuguinea. Du schaust gar nicht rechts oder links. Du gehst dahin, wo alle hingehen: zum Perito-Mureno-Gletscher in Argentinien, zur chinesischen Mauer, auf den Abel-Tasman Track in Neuseeland. Abgehakt. Du lernst keine Einheimischen kennen. Du stehst nicht an der Straße mit einem 20 Kilo schweren Rucksack, auf ein Auto wartend, dass sich Deiner erbarmt. Du steigst ins klimatisierte Taxi, das für Dich so gut wie nichts kostet. Du wirst nicht frei sein von Dir selbst, Du wirst kein anderer sein, wenn Du wieder kommst.

Du gehörst zum globalisierten Einheitsbrei, der die gleiche Musik aus den gleichen i-pods hört, nicht ohne Facebook überleben kann und auf der ganzen Welt Heineken trinkt. Du verweigerst Dich nicht, Du bist kein Individualist. Du bist die Masse.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 14. Juni 2011
Ihr
Gibt es Regeln beim Bloggen? Wie bekommt man Leser? Wo seid ihr? Irgendwo da draußen? Fesch mit dem Macbook im Park, über USB-Stick mit dem world wilde web verbunden? Oder mitten im Dunkel des eigenen Zimmers verschanzt, geschützt von der blau leuchtenden Aura des Bildschirms? Oder im Büro, immer auf der Hut, um nicht vom Chef oder den Kollegen entdeckt zu werden? Mal ehrlich: setzt ihr Euch wirklich nach einem Tag langer und harter Arbeit noch vor den Rechner, um Gedanken und Geschwülste, die einen fremden umtreiben, zu lesen und zu kommentieren? Lieber als wie (ich liebe es) ein Bier in der Kneipe zu trinken, lieber als wie ins Kino zu gehen, lieber als wie zu telefonieren, eine Runde zu radeln oder durch den Park zu spazieren, lieber als wie Euch ein paar eigene Kräuter zu pflanzen, lieber als wie zu essen? Oder macht ihr es noch zusätzlich? Wann? Hallo?

... link (2 Kommentare)   ... comment